1. Damen mit VlastiHier findet Ihr das Abschieds-Interview von Sarah mit Vlasti. Ihr könnt Euch den O-Ton am Ende des Textes als .mp3 runterladen und anhören.

Sarah: Also, Vlasti, erzähl doch mal: Was hast du vor und wo gehst du hin?

Vlasti: Was habe ich vor? Ja also, das ist jetzt ein neuer Schritt in meinem Leben. Einfach weg von Pflichten und weg von „du musst“, hin zu „du kannst“. Das heißt, du hast keine Aufgaben mehr, du hast nun Möglichkeiten. Und das ist das, was mich freut und was wird neu in meinem Leben sein. Und das sehe ich als das Beste, was mir passieren kann. Ich ziehe zurück nach Tschechien, in meine Heimat, in ein kleines Dorf mit 70 Einwohnern, richtig in die Natur. Ich denke, ich habe mein ganzes Leben mit Menschen zusammen gearbeitet und jetzt möchte ich meine Ruhe haben.

Sarah: Also wirst du weiterhin coachen? Wirst du weiterhin Bezug zu Basketball haben?

Vlasti: Äh… kennst du diesen alten englischen Spruch „never say never“. Ich weiß nicht, ich glaube nicht. Ich glaube nicht. Ich meine, der Mensch muss auch wissen, wann Schluss ist und wann es reicht. Sicher, das wird mir fehlen. Mein ganzes Leben ist mit Basketball verbunden. Ich hatte als 12-Jähriger angefangen zu spielen. Da hast du 51 Jahre mit Basketball. Das ist etwas, das man schwer wegschmeißen kann. Aber irgendwann kommt die Zeit, wann du sagen musst „ok, jetzt reicht es“. Weil das Aufgaben sind, die ich nicht mehr haben möchte. Wenn man eine Mannschaft trainiert, egal ob das Kinder oder Erwachsene sind, dann bist du an diese Mannschaft gebunden, dann kannst du nicht nein sagen. Das will ich nicht mehr. Aber wie gesagt: never say never.

 

Sarah: Was wirst du denn an Göttingen bzw. an Deutschland vermissen? Was bleibt dir besonders in Erinnerung von hier?

Valsti: Weißt du, Sarah, ich bin seit 27 Jahre in Göttingen. Und das ist schon…du hast hier Freunde gefunden und deine Lobby aufgebaut, und ich denke auch an die Arbeit, die ich in der FKG-Halle habe. Und das alles wird mir sicher fehlen. Aber…ich hoffe, dass etwas Neues kommt. Ich bin ein Mensch, der sehr schnell Freunde findet. Ich suche Freunde. Ich bin keiner, der zu Hause sitzt und fernsieht. Das macht mir keinen Spaß. Und dort in meiner Heimat sind genug Kneipen, wo ich Kameraden finde.

Sarah: Aber die Leute in deinem Dorf, die kennst du schon alle?

Vlasti: Jaaa, die kenne ich. Die kennen mich auch, sagen wir, seit ich 12 Jahre alt war. Ich bin in dem Dorf aufgewachsen. Nur im Sommer. Wir hatten da ein Sommerhaus, das ich umgebaut habe. Und jetzt werden wir da wohnen. Aber… die Gegend kennt mich von Kind auf. Ich bin da zu Hause. Mehr ist das nicht.

Sarah: Meinst du, man wird dich hier in Göttingen nochmal wiedersehen?

Vlasti: Ja sicher! Erstmal muss ich meine Pilz-Plätze aufräumen, immer im Herbst komm ich sicher vorbei und… Ich habe auch viele ältere Freunde, die sind schon 70 Jahre und älter und für die wird es schwierig mich besuchen zu kommen. Das heißt, wenn ich die Kraft und die Möglichkeit habe, dann komm ich hier vorbei.

Sarah: Auf was in deiner Heimat freust du dich besonders? Was hat dir hier gefehlt?

Vlasti: Tschechische Sprache…die ist sehr farbig. Die deutsche Sprache ist auch sehr farbig, aber die habe ich nicht richtig beherrscht. Es fehlen mir die Möglichkeiten, Witze zu machen und was auch immer. Und das kann ich sehr gut in tschechischer Sprache…

Sarah: Aber du bist hier auch sehr witzig.

Vlasti: Doch, ja, das kommuniziert…weißt du, die Möglichkeiten in meiner Sprache sind größer…und äh…ja ich weiß nicht… da sind alte Freunde und immer wieder etwas Neues. Hauptsache ist, dass in der Gegend, wo ich hinziehe, einfach Natur und Ruhe ist. Wie gesagt, mein ganzes Leben zwischen Leuten, zwischen Kindern, und jetzt möchte ich einfach Ruhe haben... die werde ich zwar eh nicht haben. Meine vier Enkelkinder, die werde ich mindestens drei, vier Monate pro Jahr haben. Weißt du, in den Sommerferien werden sie bei mir sein und in den Weihnachtsferien. Und in Frankreich, da haben sie alle sechs Wochen zwei Woche Ferien. Ich bin ziemlich sicher, die habe ich auf dem Buckel die ganze Zeit. Aber das ist auch eine schöne Sache. Das sind dann keine Aufgaben. Darüber freut sich der Mensch. Du siehst die Kinder aufwachsen, du hast Einfluss und einer muss denen auch Blödsinn beibringen. Nicht nur „das musst du“ und „das musst du“, sondern auch „das kannst du“. Dafür sind, glaub ich, Oma und Opa die besten. Das, was sie sich nicht zu Hause erlauben können, ist bei uns nicht verboten. So einfach ist das.

Sarah: Was ist dein bestes oder dein schönstes Erlebnis aus deiner Basketballkarriere und wo hast du deine beste Zeit verbracht?

Vlasti: Sarah, das ist sehr schwierige Frage. Ich meine…wenn jemand sagt, das war das Beste, dann ist das Blödsinn. Ich bin einfach zufrieden mit dem, was ich mit Sport erlebt habe. Und…egal ob das schlechtere Jahre waren, ob das gute Jahre waren, top Jahre oder super Jahre… ich suchen nicht einen Moment aus diesen raus. Ich genieße das einfach die ganze Zeit. Und das hat sich durch mein Leben gezogen und so ist das.

Sarah: Ok. Kommen wir mal zum SC Weende: Wie ist es eigentlich dazu gekommen, dass du Trainer der 1. Weender Damen geworden bist? Was hat dich dazu bewegt?

Vlasti: Du. Das ist doch eine einfache Antwort. …ich meine…du warst ehrlich, du bist zu mir gekommen und hast gesagt „das sind meine Möglichkeiten“ und ich hatte dir meine Möglichkeiten oder meine Wünsche genannt und du hast diese erfüllt. Und das erste Jahr war ein bisschen komisch, muss ich ganz offen sagen. Gut, aber dann hatten wir uns geeinigt für die nächste Saison. Und die Mannschaft hat das erfüllt, was sie mir zu Beginn der Saison garantiert hat. Darum versuche ich nun für die Mannschaft etwas vorzubereiten, was für sie etwas sein sollte, wie es für mich die ganze Zeit war: ein Highlight, eine Sache, die sie nie vergessen wird [er meint die Mannschaftsfahrt in seine Heimat im Juni 2016, zu der er die 1. Damen eingeladen hat]. Und ich hoffe, das wird auch so. Ja…so einfach ist das.

Sarah: Wie glaubst du, hat sich die Mannschaft entwickelt? Und wie wird sie sich vielleicht noch weiter entwickeln? Ist da noch Potential?

Vlasti: Die Mannschaft hat sich entwickelt, weil sie sich gefunden hat. Ob ich der Grund war, weiß ich nicht. Sicher hatte ich ein bisschen Einfluss darauf. Aber Sarah, das ist immer Glück, welche Leute aufeinandertreffen und was sie vorhaben. Und das hat geklappt. Du hast…oder besser: du und ich, wir haben zusammen, eine Mannschaft gebastelt. Und…das hat klappt. Und das ist Glück. Das passt nicht immer. Wenn du selbst eine Karriere machen wirst, dann musst du auch mit Momenten rechnen, die einfach nicht klappen. Und das darf dich nicht vergiften. Das sind die Momente, die du im Sport einfach suchst. Das passiert nicht immer. Ich hatte viel Glück in meinem Leben. Sowohl als Spieler als auch später als Trainer. Ich hatte wirklich Glück…ob das auch mit meiner Person zu tun hat, schwer zu sagen. Eigentlich hatte ich viel mehr Spaß, als schwierige Zeiten. Und wie sich die Mannschaft entwickelt, das hängt davon ab, was nun kommt, welcher Trainer, was die Mannschaft eigentlich vorhat oder was die Leute vorhaben. Du weißt selbst, das ist freiwilliger Sport in diesem Club, das sind keine Profis. Und der Einfluss vom Privatleben ist riesig, das musst du auch akzeptieren. Und das ist nicht einfach, das ist nicht einfach. Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen freiwilligem Sport und zwischen Leistungssport mit Geld und allem drum und dran.

Sarah: Also war es trotzdem eine Herausforderung für dich, uns zu coachen?

Vlasti: Doch doch, doch doch. Definitiv! Ich hatte richtig Spaß, muss ich sagen. …wie gesagt, das hängt immer davon ab, welche Gruppe du zusammenbekommst…und wie du die Leute begeisterst, ein gemeinsames Ziel zu haben. Nicht nur schwitzen, weil ich im Sommer in Schwimmhose gut aussehen möchte. Aber einfach ein…ein Ziel „ok ich möchte das schaffen“. Und dann ist das machbar. Und das hatten wir geschafft und das ist toll.

Sarah: Wie hast du denn deine Zeit in Weende erlebt? Was hat dir am SC Weende gefallen und was vielleicht nicht so?

Vlasti: Du, äh, was mir gefallen hat, ist, wie der Verein sich um die Möglichkeiten kümmert, die er hat, was leider in andere Vereinen - ich möchte die Name jetzt nicht nennen - nicht so ist. Das hat mir sehr gut gefallen, die Ordnung… und die Sicherheit, wenn du zum Training kommst und die Halle gut aussieht. Also das war ok. Da hattest du nie Probleme, Bälle zu finden oder was auch immer. … ich war sehr zufrieden mit sowas.

Sarah: Und was glaubst du, was braucht der SC Weende vielleicht noch, um sich weiter zu entwickeln? Hast du da irgendwelche Tipps?

Vlasti: Ich meine, ein bisschen mehr verrückte Leute vom Vorstand. Ich hatte in zwei Jahren fast keine gesehen. Also…äh…gut, das Interesse in dem Verein liegt vielleicht irgendwo anders, vielleicht bei Fußball und Tennis, was auch immer, weiß ich nicht, so gut kenne ich den Club nicht. Aber, das ist ein bisschen… Mich stört das nicht, ich erledige meinen Sachen auch so. Aber ich kann mir vorstellen, dass es Leute gibt, die ein bisschen Kontakt mit dem Verein brauchen. Eigentlich hatten nur wir beide Kontakt. Ich kenne die Leute fast gar nicht. Ich habe einmal den Menschen getroffen, der mich bezahlt. Den hatte ich einmal im Leben gesehen, 10 Minuten in der Halle, hat mir Papiere gegeben und das war es dann auch.

Sarah: Also kein richtiges Vereinsleben außerhalb der Abteilung.

Vlasti: Das ist das. Du hast keinen Kontakt mit dem Verein. Aber das kann auch mein Fehler sein. Ich hatte auch nicht danach gesucht. Schwer zu sagen.

Sarah: Ja, möchtest du noch irgendwas loswerden, irgendwas sagen, die Göttinger irgendwas wissen lassen?

Vlasti (sichtlich emotional): Weißt du…das sind sehr emotionale Momente in dieser Zeit…und….es ist besser…besser nicht darüber zu reden. Arbeit, Freunde und…ist einfach so.

Sarah: Tschechien ist ja nicht aus der Welt und Göttingen auch nicht.

Vlasti: Nee, Gottes Willen nicht. Nur wird der Mensch älter und dann musst du auch daran denken, was du noch kannst und was du nicht mehr kannst, und dann musst du damit arbeiten… aber es waren gute Jahren. Eigentlich habe ich nur Positives, was im Inneren bleibt. Und die… die negativen Sachen habe ich runtergeschluckt und die sind weg und das ist die Hauptsache. Sagen wir, das Positive bleibt. Und…dann ist das gut.

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